Die Geschichte vom Alexanderplatz Berlin

  Mehr als 360.000 Menschen sind täglich auf dem „Alex“ unterwegs. Damit ist er laut einer Studie die meistbesuchte Gegend Berlins – noch vor dem Kurfürstendamm – und gilt als viertbelebtester Platz Europas. Der Alexanderplatz ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der deutschen Hauptstadt und liegt im Ortsteil Mitte. Benannt wurde der zentrale Platz nach dem russischen Zaren Alexander I. 1. Geschichtlicher Hintergrund 1.1 Entstehung des Platzes bis zum 19. Jahrhundert 1.2 Bedeutung für die Residenzstadt Berlin 1805-1900 1.3 Hochkonjunktur 1900-1940 1.4 Zerstörung und Wideraufbau 1940-1964 1.5 Nach der Wende 1990-heute 2. Stadtbild der Gegenwart

Geschichtlicher Hintergrund

Entstehung des Platzes bis zum 19. Jahrhundert

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Berliner Stadtmauer verstärkt und eine Art Festungsring entstand. Erste Pläne der Residenzstadt wurden gemacht. Einige Tore der neuen Festung wurden geschlossen, u. a. das Stralauer Tor, wodurch das Georgentor an Bedeutung gewann. Vor diesem ließ der Große Kurfürst günstige Landstücke vergeben, es etablierten sich ein Viehmarkt und ein Wochenmarkt. Langsam entstand die Georgenvorstadt mit 600 bis 700 Familien Ende des 17. Jahrhunderts. 1701 wurde das Georgentor in Königstor umbenannt und der Platz davor hieß von nun an Königs Thor Platz. Im Jahre 1800 waren die rund um den Platz Ansässigen meist Handwerker, ausgemusterte Soldaten, Kleinbürger oder Manufakturarbeiter (Seide und Wolle). Der südliche Teil des zukünftigen Alexanderplatzes war durch Bäume vom Verkehr abgetrennt und wurde für Paraden genutzt, während im Norden der Markt weiterhin seinen Platz hatte.

Bedeutung für die Residenzstadt Berlin 1805-1900

Am 25. Oktober 1805 wurde auf dem Paradeplatz vor dem alten Königstor der russische Zar Alexander I. zu einem Besuch empfangen, anlässlich dessen König Friedrich Wilhelm III. über eine Umbenennung des Platzes in Alexanderplatz verfügte. Schon damals war der Alexanderplatz für den Verkehr bedeutend: Bereits 1847 führten viermal die Stunde Pferdeomnibusse zum Potsdamer Platz. 1848 kam es während der Märzrevolution zu Straßenkämpfen, der Weg vom Platz in die Stadt wurde verbarrikadiert. Hierbei war auch der Schriftsteller Theodor Fontane beteiligt. Die Königsstadt wuchs im Laufe der Zeit immer weiter, Mitte des 19. Jahrhunderts war bereits eine viergeschossige Bebauung erreicht. Der ehemalige Festungsgraben wurde 1870 zugeschüttet und auf ihm die Berliner Stadtbahn errichtet. 1882 wurde diese mit dem Stadtbahnhof Alexanderplatz eröffnet. Von 1870 bis 1886 entstanden u. a. folgende Gebäude:
  • Grand Hotel
  • Polizeipräsidium
  • Amtsgericht
  • Zentralmarkthalle
Mit der Eröffnung der Markthalle wurde der Wochenmarkt auf dem Platz verboten und die dadurch freiwerdende Fläche teilte den Alexanderplatz funktional: im nördlichen Teil befand sich der aufkommende Individualverkehr, der ehemalige Paradeplatz im Süden wurde gärtnerisch gestaltet.

Hochkonjunktur 1900-1940

Seine Blütezeit erlebte der Alexanderplatz im 20. Jahrhundert: Durch die Kaufleute Hermann Tietz (Volkswarenhaus für die Berliner), Georg Wertheim (Weltstadtwarenhaus für die Welt) und Hahn wurden große Warenhäuser errichtet. Und auch die Funktion als Verkehrsknotenpunkt machte den Alexanderplatz zu einem bedeutenden Gebiet in Berlin: Nicht nur drei U-Bahnlinien, auch Fern- und S-Bahnen sowie Omnibusse, Pferde- und ab 1898 auch elektrische Straßenbahnen standen der Bevölkerung zur Verfügung. Auf Grund dieser Fülle drohte der Platz zusammenzubrechen, weshalb der damalige Baustadtrat Martin Wagner eine Umgestaltung und Anpassung an den Verkehr empfahl. 1929 wurde ein Architekturwettbewerb gestartet, doch wegen mehrerer Komplikationen mit Investoren wurde nicht auf den Siegerentwurf des Büros Hans und Wassili Luckhardt, sondern auf den Entwurf von Peter Behrens zurückgegriffen – das Alexanderhaus und das Berolinahaus wurden daraufhin parallel zur Stadtbahn errichtet und sind damit die einzigen Gebäude des Planes von Behrens, die verwirklicht wurden. Denn das amerikanische Konsortium, das für den Bau verantwortlich war, hatte auf Grund der Weltwirtschaftskrise keine finanziellen Mittel mehr für weitere Bauten. Schon damals war der Alexanderplatz der verkehrsreichste Platz in Berlin, im Jahre 1936, zum Zeitpunkt der Olympischen Sommerspiele (in Berlin), ergab eine Zählung, dass täglich zwischen 7:00 und 21:00 Uhr ca. 35.000 Fahrzeuge den Platz überquerten.

Zerstörung und Wiederaufbau 1940-1964

Die Berolinafigur (Berolina = Neulatein für Berlin, Kupferfigur mit einem Kranz aus Eichenblättern aus dem Jahre 1895) wurde schon 1944 entfernt und war vermutlich zu Rüstungszwecken eingeschmolzen worden. Im April 1945 erreichten die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges auch das Zentrum Berlins - die Artillerie der Roten Armee beschoss den Alexanderplatz, wodurch erhebliche Teile der Gebäudekomplexe zerstört wurden. Nach Kriegsende und nach der Entrümpelung der Kriegsruinen begann der Wiederaufbau des gesamten Alexanderplatzes, mit der Auflage, dem schnell wachsenden Kraftfahrzeugverkehr mehr Raum zu geben. Eine verkehrsgerechte Stadt sollte geschaffen werden und sah großflächige Abrisse vor – durch die Teilung Berlins wurde die stetige Umsetzung dieser Pläne jedoch verhindert. Anstelle der zerstörten Wohn- und Handelshäuser wurden in Plattenbauweise neue Gebäude errichtet. 1958 wurde durch den V. Parteitag der SED eine komplette Befreiung des Alexanderplatzes vom fließenden Verkehr beschlossen, wodurch sich die Aufenthaltsqualität auf dem Platz verbessern sollte. Allerdings wurde dadurch eine überdimensionierte Platzfläche mit einer Abkopplung des ehemals urbanen städtischen Umfeldes erreicht. In den Jahren 1969 – 1971 wurden u. a.
  • das Centrum-Warenhaus,
  • das 120 Meter hohe Interhotel Stadt Berlin,
  • das Haus des Berliner Verlages, das zehngeschossige Haus der Elektroindustrie,
  • das Haus der Statistik sowie
  • das siebzehngeschossige Haus des Reisens
Auch Walter Womackas Brunnen der Völkerfreundschaft und Erich Johns Urania-Weltzeituhr gehörten von nun an zum Alexanderplatz. Die sozialistische Stadtplanung war fertiggestellt, die Platzfläche hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit 80.000 qm fast vervierfacht und war beliebter Treffpunkt der Touristen und Berliner. Der Alexanderplatz diente nun als zentraler Kundgebungsort und die 125 Meter breite Karl-Marx-Allee wurde für die alljährlichen Paraden zur Feier der Gründung der DDR genutzt. Der im Jahr 1969 fertiggestellte Fernsehturm war zu dieser Zeit der zweithöchste Fernsehturm der Welt und wurde zum Ost-Berliner Wahrzeichen.

Nach der Wende 1990-heute

Die sozialistische Stadtplanung der 70er Jahre entsprach nach dem Mauerfall nicht mehr der aktuellen Denkweise. Der Berliner Architekt Hans Kolhoff erstellte einen Plan, der eine hufeisenförmige sieben- bis achtgeschossige Bebauung mit 150 Meter hohen Türmen mit 42 Geschossen im Außenbereich vorsah, angelehnt an die ehemaligen Entwürfe Behrens. Dieser Plan wurde 1994 vom Berliner Senat beschlossen. Das Centrum Warenhaus wurde vergrößert und beherbergt heute Galeria Kaufhof und C&A. Im Jahr 2007 eröffnete das Einkaufszentrum Alexa, das sich am Ort des ehemaligen Polizeipräsidiums befindet. 2014 wurde der Bau des Wohn- und Geschäftshauses Alea 101 abgeschlossen. Langfristig ist der Abriss des 125 Meter hohen ehemaligen Interhotels Hotel Stadt Berlin (heute: Hotel Park-Inn) und die Errichtung dreier Hochhäuser an dieser Stelle geplant. Ob und wann dies umgesetzt wird, ist jedoch unklar – zumal das zum Abriss vorgesehene Hotelhochhaus erst im Jahr 2005 eine neue Außenfassade bekam und die Auslastung des Hotels sehr gut ist. Das Land Berlin hat außerdem verlauten lassen, die entsprechenden städtebaulichen Verträge nicht gegen den Markt durchsetzen zu wollen. Nach den Entwürfen des Architekten Hans Kolhoff sollen weiterhin bis zu elf riesige Gebäude entstehen, die eine Mischung aus Geschäften und Wohnungen aufweisen sollen.  

Stadtbild der Gegenwart

  Heute gehören zum Alexanderplatz zahlreiche Gebäudekomplexe und Bauwerke die das Stadtbild und den Platz prägen:
  • Fernsehturm
  • Berolinahaus und Alexanderhaus (denkmalgeschützt, die Planunterlagen für die nördlich begrenzenden Behrensbauten fand man vor einigen Jahren in einem verschlossenen Raum des Bunkers am U-Bahnhof Gesundbrunnen.)
  • Kongresshalle
  • Haus des Lehrers
  • Haus des Reisens
  • Haus der Elektroindustrie
  • Hotel Park Inn (ehemals Hotel Stadt Berlin)
  • Galeria Kaufhof & C&A (ehemals: „Centrum“-Warenhaus)
  • Brunnen der Völkerfreundschaft
  • Neptunbrunnen
  • Urania Weltzeituhr (seit 2015 unter Denkmalschutz)
  • Marienkirche
  • Einkaufszentrum Alexa
  • Handelshaus die Mitte
  • Kino Cubix
  • Wohn- und Geschäftshaus Alea 101
  • u. a.
Der Alexanderplatz ist einer der führenden Hotelstandpunkte der Stadt: Im Umkreis von 500 Metern gibt es zahlreiche Hotels und Hostels, so auch das Holiday Inn Berlin am Alexanderplatz.