Auf Spurensuche: Der Französische Sektor in Berlin

Januar 25th, 2016

Nach der Kapitulation der Wehrmacht und Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde gemäß der Vereinbarungen von Jalta Groß-Berlin in vier Sektoren aufgeteilt. Somit war es neben den Siegermächten Sowjetunion, dem Vereinigtes Königreich und den Vereinigten Staaten nur noch Frankreich erlaubt Besatzungstruppen in Berlin zu stationieren. Das französische Hauptquartier war ab 1947 das Quartier Napoleon in Wedding, der heute unter Denkmalschutz stehenden Julius-Leber-Kaserne (größte Kaserne der Bundeswehr in Berlin). Hier wurde damals auch das „Cinéma L’aiglon“, eine Kombination aus Kino und Hotel für die französischen Militärangehörigen geschaffen. Betrieben wurde es von 1954 bis 1993 und ist heute ebenfalls denkmalgeschützt aber leerstehend. So wurde der Norden Berlins, Wedding und Reinickendorf, stark französisch geprägt. Ganze Stadtviertel wurden für die französischen Streitkräfte und deren Angehörigen errichtet. Einkaufszentren ("Centre Commercial") mit Waren aus Frankreich wurden eröffnet und französische Schulen gebaut. Nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung Deutschlands zogen die zu Freunden und zu Verbündeten gewordenen Franzosen langsam wieder in ihre Heimat zurück und verließen die französischen Städtchen in Berlin. Noch heute zeugen die französischen Straßennamen von der Präsenz der Alliierten und von den ehemaligen Bewohnern des Ortes, z. B.:
  • „Avenue Charles de Gaulle“
  • „Rue Racine“
  • „Rue Diderot“
  • „Allée du Stade“
  • „Rue Ambroise Pare“

Innenhof mit französischen Tisch und Stühlen eingerichtet

 

Cité Joffre 

  In den Jahren 1952 und 1953 entstand im Berliner Ortsteil Wedding die französische Wohnsiedlung Cité Joffre, benannt nach dem französischen Marshall Joseph Joffre. Teil dieser Siedlung sind noch heute das Stade Napoléon, in dem noch vor einigen Jahren die französischen Soldaten trainierten, sowie der Zentrale Festplatz. Auf diesem findet alljährlich das deutsch-französische Volksfest statt. Im Juli 2016 wird es das 54. Volksfest sein, dass die geknüpften Bande und die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich zelebriert. Dabei laden verschiedenste Fahrgeschäfte, Bier- und Weingärten sowie unzählige kulinarische Spezialitäten (z. B. Original Elsässer Flammkuchen, frischen Muscheln, Schnecken…) zum Verweilen und Wohlfühlen ein.  

Cité Foch

  Die Cité Foch ist die größte französische Wohnsiedlung in Berlin, benannt nach dem französischen Marshall Ferdinand Foch. Die Siedlung liegt im Berliner Ortsteil Wittenau und entstand in den Jahren 1952 – 1976. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die französische Wohnsiedlung leider lange Zeit vernachlässigt und geriet in Vergessenheit. Das Grundstück ging an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Erst nach einer aufwendigen Sanierung Anfang 2000 konnten viele der leerstehenden Gebäude wieder vermietet werden. Doch auch noch heute ist ein Großteil der Gebäude unbewohnt, Schwimmbad und Einkaufszentrum verfallen nach und nach, die katholische Kirche Sainte Geneviève wurde entweiht, nur Schule und Pflegeheim werden noch genutzt. Derzeit leben hier schätzungsweise 2500 Menschen. Aktuelle Bebauungspläne sollen in naher Zukunft umgesetzt werden und die Bewohnerzahl in der Cité Foch anheben. Die Französischen Wohnsiedlungen sind auf jeden Fall einen Besuch wert und laden zur Spurensuche nach vergangenen Zeiten ein. Das Holiday Inn Hotel Berlin Alexanderplatz ist eine ca. 40 minütige Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von der Cité Joffre (Bus 128, Aristide-Briand-Brücke) und ca. 30 Minuten von der Cité Foch (Haltestelle S Waidmannslust) entfernt.    
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